Wie schnell sich Linksverkehr anfühlt
Die meisten Reisenden brauchen einen bis drei Tage, um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Das klingt nach wenig, ist aber realistisch: Das Gehirn passt sich schnell an, wenn man es konsequent zwingt. Nach dem ersten Tag auf der Landstraße fahren die meisten so entspannt wie zu Hause.
Die schwierigsten Momente sind nicht auf der Geraden, sondern bei Ablenkung oder Stress: Abbiegen nach einem Stopp, Ausfahrten verlassen, rückwärts einparken. Das sind Momente, in denen die automatische Routine kurz das Ruder übernimmt. Ein Satz auf einem Post-it am Lenkrad hilft wirklich: 'Links fahren, links bleiben.'
Unser Tipp für die erste Stunde: Die ersten zwanzig Minuten nach der Camper-Übernahme auf ruhigen Nebenstraßen verbringen. Nicht sofort auf den Highway. Kurze Runden durch ein Wohnviertel oder ein Gewerbegebiet geben das erste Gefühl, ohne Risiko.
Was wirklich tückisch ist
Linksabbiegen ist das größte Risiko. Die Instinktreaktion beim Linksabbiegen ist, auf die rechte Straßenseite einzubiegen. In Neuseeland muss man links einbiegen und links bleiben. Ein Merksatz: 'Fahre immer zur Straßenmitte hin, nie davon weg.'
Kreisverkehre laufen im Uhrzeigersinn, was das Gegenteil von Deutschland ist. Beim Einfahren gilt: Vorfahrt für Fahrzeuge, die von rechts kommen. Das ist anfangs verwirrend, sitzt aber nach dem ersten Tag.
Einspurige Brücken sind ein spezifisches Neuseeland-Phänomen. Ein Schild mit Pfeil zeigt an, wer Vorfahrt hat. Wer Vorfahrt hat, fährt durch. Wer wartet, hält vor der Brücke an. Diese Brücken sind überall: auf Tourismusstraßen, in Nationalparks, auch auf Hauptverbindungen.
Schotterstraßen sind in Neuseeland häufiger als erwartet. Sie sind enger, bei Nässe rutschiger und erfordern mehr Konzentration. Manche Mietbedingungen schließen bestimmte Schotterstraßen aus. Vor der Abfahrt die Chilli-Rentals-Bedingungen prüfen, welche Straßen mit dem Fahrzeug befahrbar sind.
Entfernungen und Fahrzeiten richtig einschätzen
Das Tempolimit außerorts beträgt 100 km/h, in Ortschaften 50 km/h. Die effektive Reisegeschwindigkeit liegt aber oft deutlich darunter: kurvenreiche Straßen, einspurige Brücken, Touristenfahrzeuge, Viehtriebe auf der Straße. 60 bis 80 km/h Durchschnitt auf der Landstraße ist realistisch, manchmal weniger.
Neuseeländische Entfernungen nie nach Kilometern beurteilen, sondern nach Zeit. Die Strecke Auckland nach Queenstown auf der Südinsel sieht auf der Karte wie acht Stunden aus, dauert mit Pausen und Kurven problemlos zwölf bis vierzehn Stunden.
Tankstellen sind auf touristischen Hauptrouten gut verteilt, aber in abgelegenen Gebieten auf der Westküste oder in Fiordland kann es große Abstände geben. Strategie: immer über dreiviertel voll fahren. In kleinen Dörfern gibt es manchmal gar keine Tankstelle.
Strecken mit besonderer Aufmerksamkeit
Die Milford Road (SH94 ab Te Anau) ist eine der schönsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Strecken Neuseelands: schmal, keine Abkürzungen, ein einziger Eingang und Ausgang. Die Fahrt dauert hin rund zwei Stunden. Im Sommer gibt es vor dem Homer Tunnel Staus. Früh losfahren.
Crown Range zwischen Wānaka und Queenstown ist die höchste asphaltierte Straße Neuseelands. Im Winter Schnee und Eis möglich, Kontrolle auf nzta.govt.nz. Im Sommer ein Highlight mit Panoramaaussichten.
- Erste Stunden: ruhige Nebenstraßen statt sofort auf den Highway
- Kreisverkehre: im Uhrzeigersinn, Vorfahrt von rechts
- Einspurige Brücken: Schild lesen, wer Vorfahrt hat
- Linksabbiegen: zur Straßenmitte hin biegen, nie davon weg
- Blinker links, Scheibenwischer rechts: in den ersten Tagen verwechseln das fast alle
- Offline-Karten: vor Abfahrt für beide Inseln herunterladen
- Tanken: nie unter Viertel voll fallen lassen, besonders auf der Westküste
Häufig gestellte Fragen
- Brauche ich einen internationalen Führerschein für Neuseeland?
- Nein. Der deutsche, österreichische und Schweizer Führerschein ist bis zu 12 Monate direkt anerkannt. Der EU-Führerschein mit englischen Angaben auf der Rückseite gilt als ausreichend.
- Was passiert wenn ich in Neuseeland einen Unfall verursache?
- Neuseeland hat kein privates Haftpflicht-System für Verkehrsunfälle. Die ACC übernimmt Personenschäden für alle Beteiligten. Für Fahrzeugschäden gilt die Versicherung des Mietvertrags. Eine vollständige Reiseversicherung mit Fahrzeugschutz ist Pflicht.
- Sind Neuseelands Straßen generell gefährlich?
- Nicht gefährlicher als vergleichbare Bergstraßen in Europa. Sie sind kurvenreich, manchmal schmal und in den Bergen wetterabhängig. Wer nicht hetzt, die Bedingungen respektiert und täglich auf nzta.govt.nz prüft, hat kein Problem.

